Erste Ausgabestelle der „Tafel“ feiert zehntes Jubiläum
POTSDAM / INNENSTADT - Bis Ende des Jahres will der Verein „Potsdamer Tafel“ in der Breiten Straße die vierte Lebensmittel-Ausgabestelle für Bedürftige in der Landeshauptstadt eröffnen. Die Kapazitäten in der Schopenhauerstraße 8, in der vor zehn Jahren die erste „Filiale“ öffnete, reichten nicht mehr aus. „Wir brauchen Entlastung“, sagte der Vereinsvorsitzende und Rechtsanwalt Oliver Bohrisch gestern gegenüber der MAZ. Die Baugenehmigung für Umbauarbeiten in den 300 Quadratmeter großen Räumen in der Breiten Straße seien in der vergangenen Woche bei der Bauverwaltung abgegeben worden. Ins Haus der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde kommen wöchentlich bis zu 250 Potsdamer – Hartz-IV-Empfänger, Asylbewerber, Studierende, Rentner. „Wir sind absolut an der Grenze, aber es werden immer mehr Menschen, die Unterstützung brauchen“, sagte Margit Krause, Leiterin der Ausgabestelle. Seit eineinhalb Jahren kommt Laura Bozieva regelmäßig in die Schopenhauerstraße. „Ich finde gut, dass es dieses Angebot gibt“, freute sich die russische Migrantin. „Hier nehme ich immer frisches Obst mit, das könnte ich mir sonst nicht leisten“, sagte eine junge Mutter. Gestern hat die Ausgabestelle in der Schopenhauerstraße ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. Zum Jubiläum gab es ein Geschenk vom Pflegeverbund Deutschland. Ursula Warncke, Leiterin des Potsdamer Büros, hat Bohrisch „als Anerkennung für die tolle soziale Arbeit der Tafel“ einen Scheck in Höhe von 500 Euro überreicht. Das Geld werde in den bis zu 150 000 Euro kostenden Umbau der neuen Ausgabestelle gesteckt, hieß es. Gebraucht werden Lagermöglichkeiten, Ausgabetresen sowie Sanitäranlagen.
Bohrisch zufolge werden pro Monat durchschnittlich 60 Tonnen Lebensmittel – 2007 waren es noch 50 Tonnen – an mehr als 1000 bedürftige Potsdamer verteilt – „Tendenz steigend“. Die Spenden kommen vor allem von Bäckereien sowie aus Supermärkten.
10
Jahre Potsdamer Tafel
Die Potsdamer Tafel hat am Dienstag ihr 10jähriges Bestehen
gefeiert. In der Ausgabestelle in der Schopenhauerstraße wurde den vielen
ehrenamtlichen Helfern gedankt. Rund 200 bis 250 Bedürftige holen sich einmal
pro Woche die von der Tafel bereit gestellten Lebensmittel umsonst ab. Zum 10.
Geburtstag der sozialen Einrichtung wurde Suppe aus der Gulaschkanone
ausgeteilt. (Quelle: Potsdam
TV, http://www.potsdamtv.net/Statdtleben/Fuer_die_Armen-5899.html )
POTSDAM
/ INNENSTADT - Wer kennt sie nicht, die Menschenschlange vor der
Baptisten-Kirche in der Schopenhauerstraße 8? Sie gehört schon beinahe zum
Stadtbild. Einmal pro Woche holen sich dort etwa 200 bis 250 Bedürftige
Lebensmittel.
1999 wurde auf dem
Gelände der Baptistenkirche die erste Ausgabestelle der Potsdamer Tafel
eröffnet. Seitdem sieht die Kirchengemeinde dieses Projekt als ihren sozialen
Auftrag für die Stadt Potsdam an und trägt alle Kosten. Zum Jubiläum am 21.
April soll den vielen ehrenamtlichen Helfern gedankt werden. Es soll ein wenig
gefeiert werden, doch gleichzeitig läuft – wie jeden Dienstag – die
Lebensmittelausgabe. Es singt der „Schrippenchor“, der sich extra zu diesem
Anlass zusammengefunden hat. Flohmarkt, Glücksrad und eine Gulaschkanone
bereichern das kleine Fest. „Ullrichs Catering“ will eine schmackhafte Suppe
für etwa 300 Personen kochen und kostenlos zur Verfügung stellen.
Während der
Veranstaltung gegen 14 Uhr übergibt zudem der Deutsche Pflegeverband einen
größeren Scheck an die Potsdamer Tafel, die ständig Geld für Fahrzeuge und
Sprit benötigt. (Quelle: MAZ, 18.04.09)
10.12.2008
Spende
Potsdam. „Ullrich’s
Veranstaltungsservice“ lädt gemeinsam mit der Potsdamer Tafel am kommenden Mittwoch, 17. Dezember, von 14.30 bis 17.00 Uhr zu einem vorweihnachtlichen Essen aus der Gulaschkanone in die Ausgabestelle Stadtteilladen in der Kirche im Kirchsteigfeld, ein. Für die Gäste der Tafel sponsert der Unternehmer eine Mahlzeit aus der Gulaschkanone. (Quelle: Der
Potsdamer, Woche 50, Mittwoch, 10. Dezember 2008, Seite 3)
28.3.2008
Einmal Gulasch bitte!
Mit einer FKÜ 180-62 von der NVA fing vor vier Jahren alles
an. FKÜ steht für Feldküche; 180 für die Liter im Kessel und die 62 für das
Baujahr.
Und die bekam Markus Ullrich eher zufällig, von einem Bekannten aus Glindow.
Inzwischen ist seine Ich-AG gewachsen: drei Gulaschkanonen und drei feste
Standorte am Rand von Potsdam. Die beliebte Feldküche steht direkt an der B1 in
Geltow, kurz vor der Baumgartenbrücke, und da packt der Chef selbst mit an. (Quelle: www.rbb-online.de, zibb Beitrag)
19.12.2007
Warme Suppe aus der Gulaschkanone
INNENSTADT Die Schlange zog sich schon bis auf den Gehweg, also öffnete Gerhard
Falk die Ausgabestelle gestern früher. Rund 150 Potsdamer reihten sich in der
Schopenhauerstraße gegen Mittag ein, um bei der „Tafel“ wie jeden Dienstag
günstig Lebensmittel zu erwerben, diesmal mit einem kleinen Bonus: Aus seiner
Gulaschkanone verteilte Markus Ullrich heiße Erbsensuppe mit Bockwürsten und
wärmenden Tee an die frierenden Einkäufer. Der Unternehmer, der mit seiner Erbsensuppe
für gewöhnlich am Ortseingang in Geltow und Stahnsdorf eine günstige Mahlzeit
bietet, war mit dieser Spendenidee auf die Potsdamer Tafel zugekommen. 170
Liter Suppe köchelten in der holzbefeuerten Kanone und warfen ein betörendes
Aroma über den Hof. „Letztes Jahr habe ich das zwar auch gemacht, aber da hat
ein Dritter die Kosten übernommen. Dieses Jahr übernehme ich alles“, so
Ullrich.
Dass einige wenige nach dem Einkauf ohne Suppe von dannen zogen, hatte
offenbar damit zu tun, dass unter den Wartenden auch Moslems und Juden waren,
die auf den Genuss wegen des enthaltenen Schweinefleisches verzichten mussten.
Gerhard Falk nennt die Warteschlange gern „eine Krisenkarte der Welt“: Kurden,
Afrikaner und Ex-Jugoslaven seien häufig vertreten, viele Deutsche kämen erst,
wenn sie ganz unten sind – aus Scham, wie er sagt. Bei Weihnachtsmusik und
gutem Erbseneintopf waren nationale Unterschiede aber schnell vergessen. (Quelle: Märkische Allgemeine, Potsdamer Stadtkurier,
19.12.2007)
04.02.2006
Es ist noch Suppe da
„Ullrich''s“ Gulaschkanone wird drei Jahre alt
Schwielowsee
· Geltow - Markus Ullrich ist Babelsberger, ist gelernter
Heizungsbauer, war nach der Wende selbständiger Spediteur ohne
Geschäftserfahrung und hat Lehrgeld bezahlt. Als zum neuen Jahrtausend
eine Gulaschkanone des Baujahres 1962 aus NVA-Bestand zum Verkauf
angeboten wurde, taten sich Schwester, Vater und Mutter mit Markus
Ullrich zusammen und kauften das gute Teil.
Mit drei Kesseln à hundertachtzig, siebzig und fünfunddreißig
Liter ist die Veteranin bestens geeignet, um leckere Erbsensuppe,
Kesselgulasch und ein Tässchen Kaffee zuzubereiten. Bis vor vier
Monaten stand die Kanone noch dampfend neben dem Korbmacher auf der
Brücke gen Werder, seit Herbst steht sie ohne Fahrgestell und fest
montiert, rechter Hand aus Potsdam kommend am Ortseingang Geltow. Die
Räder hat Markus Ullrich abmontiert, damit seine Kanone nicht doch noch
vorzeitig Abschied nimmt. Eine Vorgängerin tat dies, nachdem die
Ullrichs eine volle Ladung der gut schmeckenden Erbsensuppe an die
Potsdamer Tafel gespendet hatten. Tags darauf hatte sich die
Gulaschkanone mit unbekanntem Ziel davon gemacht ...
Den Gebrauchswert schätzt Markus Ullrich auf bis zu zweitausend
Euro, das sind zu verkaufende eintausend Halbliterportionen. Jetzt im
Winter würde das mehrere Monate dauern, zu Saisongeschäften wie
Baumblütenfest oder andere Großevents liefe das schon anders. Jetzt
jedenfalls steht „Ullrich''s“ Kanone für seine Laufkundschaft hier. Die
durchreisenden Trucker sind mit Preis und Qualität zufrieden, mit einem
halben Liter für zwei Euro, mit Bockwurst drei Euro, kostenlosem
Nachschlag, lässt sich gut leben. Manche Kunden kommen mit eigenem
Geschirr und holen Suppe für die Familie. Alles, was nicht am selben
Tag verkauft werde, „geht zum Schwein“ ...
Markus Ullrich erklärt, warum seine Suppe gar nicht in der eigenen
Kanone gekocht wird, sondern aus dem Oberharz, aus dem kleinen Ort
Elend (!) stammt. Dort wird die Suppe mit allen Zutaten in vielen
Feldküchen in großer Produktion gekocht und als Konserve verpackt und
ausgeliefert oder von Kunden wie den Ullrich''s 500-literweise abgeholt
und an der eigenen Kanone, gewärmt . Es rechne sich einfach nicht,
einen einzigen Kessel selbst zu kochen.
Markus Ullrich atmet dampfend, die Suppe dampft mit. Die
Temperaturen sind weit im Minusbereich, da sei der Tag bis zum
Feierabend noch lang. Manche Kunden würden nicht vermuten, dass er
schon zwei, drei Stunden vor der ersten Portion im Dienst sei und im
Winter zusätzlich noch alles für den nächsten Tag vorbereite. Wenn
„Ullrich“s“ mit ihrer Gulaschkanone am 11. März ihr 3-Jähriges Bestehen
feiern, will die Familie das Fest zu einer 1-Euro-Party machen – als
Reverenz an ihre treuesten Kunden und an die, die es noch werden
wollen.
Mitgebrachte Töpfe und Pfannen würden für einen einzigen Euro
gefüllt. Die Schwester würde schon Flyer entwerfen und im Internet
lässt sich auch nachlesen, wie die Party steigt. Markus Ullrich wünscht
sich, auch in zehn Jahren hier stehen zu dürfen und nicht in Hartzvier
enden zu müssen, dies sei auch sein Geburtstagswunsch – zwei Tage vor
dem Jubiläum wird Markus Ullrich Dreißig. (Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten, http://www.pnn.de/pm/78263/)
10.08.2005
Ein Löffel für Lüni
Zweiter Teil des Kartoffelfestes: Eine Suppenspende aus der Feldküche
INNENSTADT " Wir ham ja Zeit, den ganzen Tag",
sagt Werner Lüneberg, und schiebt den Teller mit der Kartoffelsuppe von sich.
Es ist erst kurz vor zehn Uhr morgens, da trinkt auch "Lüni", wie ihn
seine Tischnachbarn nennen, lieber noch eine Tasse Kaffee. Den Teller Suppe hat
er als eine Art Kostprobe bekommen. Die meisten um ihn herum sind noch mit dem
Frühstück beschäftigt.
Vor der Suppenküche der Volkssolidarität in der
Lindenstraße steht Markus Ullrich mit seiner Gulaschkanone, in der 80 Liter
Kartoffelsuppe warmgehalten werden. Seit zwei Jahren kellt der 29-Jährige aus
seiner Feldküche an der Baumgartenbrücke zwischen Geltow und Werder aus, oder
er tourt als Cateringservice durch die Stadt.
Normalerweise gibt es in der Suppenküche nur samstags
Suppe, berichtet Friedhelm Loter, Leiter der Sozialen Einrichtung für
Obdachlose: "Die Bedürftigen wollen ja auch mal was Ordentliches
essen", erzählt er und zeigt auf die Wochenkarte. Bratwurst, Hähnchenbrust
und Leipziger Allerlei stehen da auf dem Plan. Der reguläre Preis von 1,50 Euro
für den gestrigen Dienstag ist durchgestrichen. Ullrichs Kartoffelsuppe gibt es
gratis.
Das Geld dafür stammt aus den Einnahmen Ullrichs beim
Kartoffelfest im Potsdam-Museum. Am vergangenen Donnerstag verkaufte er auf dem
Hof des Museums 70 Liter Kartoffelsuppe. "Wir wollten keine Spende für
unser Museum", sagt dessen Leiter Hannes Wittenberg, das Geld sollte einem
anderen guten Zweck zukommen. So hat Ullrich sogar zehn Liter Suppe mehr kochen
können.
In der Nacht von Montag zu Dienstag hatte Ullrich mit
seiner Familie 30 Kilo Kartoffeln geschält und auf Brennholz gekocht. Am selben
Ort, in der Babelsberger Reuterstraße, wurde ihm in der Nacht von Freitag zu
Samstag die Gulaschkanone, aus der Ullrich noch beim Kartoffelfest schöpfte,
geklaut. Was er seltsam findet: "Das ist ja nichts, womit man Spaß haben
kann, wie mit einem Auto, damit kann man wirklich nur kochen", sagt er und
rätselt um das Tatmotiv. "Naja, ich hab ja zum Glück mehrere
Kanonen", sagt er und zuckt die Schultern.
Derweil leert sich auch "Lünis" Teller. Mit dem
Kaffee ließ sich der 57-Jährige nicht soviel Zeit. Er sieht müde aus mit den
dicken Falten um die strahlend hellblauen Augen. Unterm Tisch liegt sein
Schlafsack. Mehr hat "Lüni" nicht. Die 500 Euro, die er jeden Monat
vom Sozialamt bekommt, gehen hauptsächlich für Bier und Tabak drauf. Aus der
Innentasche seiner Lederjacke zieht er ein Nikotinpflaster: "Dit brauch
ick nich", sagt er mit seiner tiefen, etwas nuscheligen Stimme und wirft
es auf den Tisch. Das Rauchen könne er sich nicht abgewöhnen, genauso wenig wie
das Trinken. Mit der Wende arbeitslos geworden, schläft der gelernte
Baumaschinist jetzt am Ufer der Havel. In die Suppenküche kehrt er alle zwei
Tage ein, um zu essen und sich zu waschen. Um den Erhalt der Suppenküche geht
das bangen weiter. "Es kann sein, dass wir Ende des Jahres hier raus
müssen", sagt Loter. (Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung, 10.08.2005)
05.08.2005
Gepellt oder im Ganzen gerieben
Potsdam-Museum lud zu Kartoffelfest / 70 Liter Suppe für guten Zweck
INNENSTADT Die Zeit liegt 60 Jahre zurück, doch bis heute
ruft die Erinnerung Gefühle wach. Zu beobachten war das auch gestern, als das
Potsdam-Museum zum Hoffest in die Benkertstraße lud. Es ging um die Kartoffel -
in den Wirren der letzten Kriegstage und der Zeit danach eines der wichtigsten
Lebensmittel. "Eigentlich ist eine Kartoffelernte im August ja
untypisch", sagte Museumleiter Hannes Wittenberg beim Ausgraben jener
Knollen, die Oberbürgermeister und Kulturbeigeordnete im März in die Erde
gebracht hatten. "Aber 1945 war das den Leuten völlig egal."
Das Kartoffelfest war eine der Veranstaltungen, mit denen
das Museum die Ausstellung "Kohldampf und Bombentrichter - Potsdam
1945" begleitete. Mit dem Erfolg zeigte sich Wittenberg zufrieden. Es sei
gelungen, den Museumsstandort in der Benkertstraße mehr zu etablieren, und das
in einem Gebiet, das zuvorderst touristisch genutzt wird. Auch das gut besuchte
Hoffest gestern wertete er als Erfolg. Es soll nun, mit wechselndem Motto, zu
einer Tradition werden, sagte er.
Der Hof stand gestern ganz im Zeichen der Knolle.
Jeannette Herrmann vom Öko-Bauernhof Friedhelm Boek aus Neu-Plötzin bei Werder
hatte, neben anderem Gemüse, auch mehrere Kartoffelsorten mitgebracht, die
gelbe Quarta etwa oder die rotbraune Rosara. Allesamt Sorten, die jetzt bereits
geerntet werden können, erläuterte sie. Gleich mit 70 Litern Kartoffelsuppe,
140 Portionen zünftig in der Gulaschkanone, stand Markus Ullrich auf dem Hof.
Mit seiner kulinarischen Offerte verfolgt der rollende Gastronom einen guten
Zweck: Die gestern verkaufte Menge an Suppe wird er in den nächsten Tagen
nachkochen und der Potsdamer Tafel zur Verfügung stellen. Der Verein beliefert
neben Ausgabestellen in Potsdam und Teltow auch die Wärmestube in Geltow und
die Suppenküche in Potsdam. Letzterer werde man Ullrichs Spende übergeben,
sagte "Tafel"-Büroleiterin Marina Gräfin Strachwitz.
Wie sehr das Museum mit dem Thema den Nerv der Potsdamer
traf, wurde schon beim Ausbuddeln der Knollen deutlich: "Von der Seite her
graben", rieten Umstehende sachkundig. Und: "Tiefer!".
"Welche Bedeutung die Kartoffel in der schweren Zeit hatte, das können Sie
sich gar nicht vorstellen", sagte Stadthistoriker Hartmut Knitter.
"Wir lebten 1946 in einem Flüchtlingslager. Was war das für ein besonderer
Tag, wenn wir mal an Kartoffeln herankamen und sie auf dem Ofen in der Baracke
kochten. Kartoffeln mit Salz, das war das schönste Essen..." In den
Kellern zerstörter Häuser habe er, siebenjährig damals, nach Kartoffeln
gesucht, erinnert sich Wolfgang Peschke. "Wenn es Kartoffeln gab, dann nur
als Pellkartoffeln; nur keinen Verlust. Oder man rieb die Kartoffeln als
Ganzes, das gab dann so eine grünlich-graue Suppe. Nur sonntags mal, wenn man
sich etwas ganz besonders Gutes tun wollte, dann wurden die Kartoffeln
geschält. Hauchdünn." Weggeworfen wurde auch dann nichts. "Die Leute
hungerten so sehr, dass sie an der Tür klingelten und fragten, ob man Schalen
abgibt."
(Quelle:Märkische Allgemeine Zeitung, 05.08.2005)
Eine panikartige Jagd nach Brot soll es in den ersten zwei
Wochen nach Kriegsende gewesen sein: So steht es in den Tagebuchaufzeichnungen
des Potsdamer Schriftsteller Herrmann Kassak, die Klaus Büstrin an diesem
frühen Abend zu leisem Vogelgezwitscher im begrünten Hinterhof des Potsdam
Museums in der Benkertstraße vorliest. Er liest aus „Dreizehn Wochen –
Aufzeichnungen aus dem Jahr 1945 über das Kriegsende in Potsdam“, er liest über
Not, Elend, aber auch Hoffnung auf bessere Zeiten. Er liest auch über ganz
besondere Früchte der Erde.
Gestern feierte das Potsdam Museum sein Kartoffelfest, als festlichen Ausklang
der Sonderausstellung „Kohldampf und Bombentrichter. Potsdam 1945 – Tag um
Tag“. Die Schau dauert noch bis zum 4. September. „Das Interesse ist
ungebrochen, obwohl überall über das Kriegsende geredet wird“, sagt
Museumsleiter Hannes Wittenberg. „Die Schau war wichtig, weil hier die
Erinnerungen der Bürger der Stadt zusammengestellt sind.“
Doch an diesem Tag soll nicht die eigentliche Ausstellung im Mittelpunkt
stehen. Die aromatisch duftende Kartoffelsuppe aus der Gulaschkanone von Markus
Ullrich im Hof ist nicht nur dazu da, den Appetit der Gäste zu stillen: Der
Erlös aus den Einnahmen von 2,50 Euro je Suppen-Plasteschüssel geht an den
Verein der Potsdamer Tafel, der täglich Menschen mit einer warmen Mahlzeit
versorgt, die sonst Hunger hätten. „Unser Haus hat auch nicht viel Geld“, sagt
die Ausstellungs-Kuratorin Edeltraud Volkmann-Block. „Doch es ist ja immer so:
Die Armen helfen den Armen, die Reichen tun sich da oft schwerer.“ Durch die
Aktion kann sich die Potsdamer Tafel noch zusätzlich freuen: Nächste Woche soll
Markus Ullrich mit seiner „Kartoffelsuppen“-Kanone in der Suppenküche in der
Lindenstraße vorbeikommen und den Inhalt verteilen.
„Auch 60 Jahre nach dem Krieg geht es den Leuten nicht immer gut“, begründet
Hannes Wittenberg die Hilfsaktion, während er kurz nach 17 Uhr zusammen mit der
Tafel-Vorsitzenden Marina Gräfin Stachwitz das Fest der Kartoffel eröffnet.
Beide harken im Hinterhof des Museums den Boden, in dem Oberbürgermeister Jann
Jakobs und Kulturbeigeordnete Gabriele Fischer im März zur Eröffnung der
Ausstellung Kartoffeln gesät hatten. „Eigentlich ernten wir hier zu früh, aber
im Jahr 1945 hat sich auch niemand darüber Gedanken macht – da ging es gegen
den Hunger nur darum, dass die Kartoffeln halbwegs reif waren“, sagt
Wittenberg. Er greift in die lose schwarze Erde vor ihm und holt einige neue
Kartoffeln hervor. Ein älterer Herr nickt anerkennend: „Schöne, große Dinger.“
Im Hintergrund steht Hans-Werner Mihan. Der Stadthistoriker zum Leben in der
Zeit von 1945 redet über seine Erfahrungen mit den Erdäpfeln : „Wir sind immer
mit dem Zug aufs Land gefahren und haben mit den Bauern Kartoffeln in Säcken
getauscht.“ Das Hauptproblem war die Rückfahrt. „Wir verabredeten uns mit der
Familie an der Bahnlinie und warfen die Säcke aus dem Zug – weil uns die
Nahrung an den Bahnhöfen von Soldaten sicher abgenommen worden wäre.“ (Quelle: PNN, Potsdamer Neuste Nachrichten, 05.08.2005)
25.01.2005
Gulaschkanone ersparte den Gang zum Arbeitsamt An der
Baumgartenbrücke gibt es deftige Suppen aus dem Hochharz / Markus Ullrich hat
Schritt in die Selbstständigkeit nicht bereut
WERDER/GELTOW Dort, wo an der Baumgartenbrücke der Rauch leicht
aufsteigt, erhöht sich auch das Hungergefühl nach einem deftigen Süppchen. Denn
sobald man sich ihm nähert, riecht es schließlich ungemein aromatisch. Mal ist
das so auf der Geltower, mal auf der Werderaner Seite. Je nachdem, wo die
Gulaschkanone gerade steht, die den Rauch verursacht und die der Potsdamer
Markus Ullrich dort betreibt.
Zurzeit, also in dieser Wintersaison, „feuert“ sie täglich
dutzende Gulasch– und Erbensuppen auf der Werderaner Seite heraus. Unmittelbar
vor der Holländer Mühle hat Ullrich sein Quartier im alten Havelimbiss
aufgeschlagen. Erst im Sommer kann er wieder an seinen Standort nach Geltow
zurück. Doch diesen Sandplatz direkt vor der Brücke müsste er am Jahresende
endgültig verlassen, wenn dort der Pachtvertrag ausläuft. Auf dem Gelände
wollen die Geltower Unternehmer Tajo Sakowski und Christian Pflanz schließlich
eine Verkaufsausstellung für Autos und Boote errichten. (MAZ berichtete.)
Im nächsten Winter müsste Markus Ullrich also wieder auf die
Werderaner Seite wechseln. Doch das Hinundher hat er satt. „Ich hoffe, dass ich
meinen alten Standort in Geltow fest behalten kann“, sagt Ullrich. Schlecht
dürfte seine Chance nicht stehen, lässt sich so eine Verkaufsausstellung doch
auch bei einem Süppchen genießen.
Als Ullrich dort vor einem Jahr seine Kanone erstmals auf die
Sandfläche stellte, hatte er bessere Kundschaft als jetzt: Sofort konnte er auf
die Radwandertouristen zählen. Doch diese biegen – von Potsdam kommend –
meistens gleich hinter der Brücke nach Petzow ab und erreichen ihn und seine
Kanone jetzt nicht mehr. Hinweisschilder habe das Straßenbauamt sofort
entfernt. An einer Bundesstraße ist Werbung schließlich keine unproblematische
Sache. Wiederum kamen aus Richtung Petzow die Radler oft hungrig bei ihm
vorbei, wenn sie zurück gen Potsdam fuhren.
Nur die Bauleute vom nahegelegenen Resort Schwielowsee finden
Ullrichs Kanone auch jetzt noch. Sogar der Geltower Förster schätzt täglich vor
allem die mit zwei Euro günstige Erbsensuppe. Für drei Euro gibt es sie mit einer
Bockwurst. Zum gleichen Preis ist die Gulaschsuppe zu haben – und jede Menge
Aroma für die Geschmacksnerven dazu. Die Suppen kommen schließlich aus dem
Hochharz. Nur noch hier, in Dessau und in Hamburg können sie genossen werden.
Woanders liefert der Harzer Produzent Kukki’s nichts hin. Mehr könne dessen
Siebener-Batterie von Gulaschkanonen eben nicht leisten. Die Büchsen werden
anschließend ohne Konservierungsstoffe durch Einkochen haltbar gemacht. Vor Ort
braucht sie Markus Ullrich dann in seiner eigenen Kanone nur noch aufzuwärmen.
Diesen zuverlässigen Arbeitgeber mit Baujahr 1962 sozusagen
hatte Ullrich zufällig von einem Glindower erworben. Die Kanone ersparte ihm
also den Gang zum Arbeitsamt. Nachdem sich sein alter Beruf in einer Spedition
wegen Pleite erledigt hatte, stellte sich Markus Ullrich alleine wieder auf die
Beine. „Es kommt mehr bei raus, wenn man etwas selbst anpackt“, weiß der
Gulasch-Kanonier. (Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung, 25.01.2005)